Etwa zweieinhalb Jahre nach ihrem Ausflug auf die Insel Yamatei kehrt die wohl bekannteste Archäologin der Welt auf die heimischen Fernseh- und PC-Bildschirme zurück. Die Rede ist natürlich von Lara Croft, die seit etwa Mitte November 2015 ihre neuesten Abenteuer auf der Xbox One & Xbox 360 und seit Ende Jänner 2016 auch auf dem PC bestreitet.

Rise of the Tomb Raider hat bereits im Vorfeld viele Vorschusslorbeeren von großen Spielemagazinen erhalten – auch uns hat die erste Vorschau auf das fertige Spiel, welche wir erstmals auf der Game City 2015 in Wien angespielt haben, schon sehr gut gefallen. Nun ist das Spiel schon seit einigen Wochen im Handel, im digitalen Xbox Marktplatz und dem Steam-Store erhältlich – wir haben natürlich auch schon viele Stunden im kalten Sibirien verbracht. Damit wird es Zeit für die Bewertung des neuesten Abenteuers mit Lara. Wie hat Frau Croft ihre Erlebnisse auf der Tropeninsel verarbeitet? Jammert sie immer noch so viel wie im direkten Vorgänger? Haben die Entwickler ihr Wort gehalten, in dem sie mehr Gräber mit anspruchsvolleren Rätseln versprochen haben? Immerhin waren die geringe Anzahl von Rätseleinlagen und die dafür häufigen Lara-Terminator-Abschnitte einer der größten Kritikpunkte von internationalen Spielemagazinen. Wir haben da mal diesbezüglich nachgeforscht und geben euch heute in diesem umfangreichen Test die Antworten auf all diese Fragen und noch vieles mehr.

 

 

 

Jagd nach Unsterblichkeit

 

Rise of the Tomb Raider - ScreenshotDie Geschichte in Rise of the Tomb Raider ist nach den Ereignissen auf Yamatei, also aus dem Tomb Raider-Reboot aus dem Jahr 2013, angesiedelt. Während die gute Lara im direkten Vorgänger in ihr Abenteuer richtig hineingestolpert ist, hat sie heute schon deutlich mehr Erfahrung. Daher jammert Lara auch nicht mehr so viel herum, sie ist mittlerweile ein weiblicher Terminator. Na gut, Scherz beiseite. Aber immerhin war das andauernde Gejammere unserer Lieblings-Britin einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers. Wir mussten damals dieser Kritik von diversen Spielemagazinen recht geben. Es war irgendwie recht absurd, wie Lara in dem einen Moment noch jammert, dass sie diesen bösen Mann töten musste und keine Minute später Dutzende Feinde eiskalt abknallt. Diesen Punkt hat Crystal Dynamics im neuesten Lara-Abenteuer glücklicherweise ausgemerzt. Rise of the Tomb Raider enthält zwar immer noch viele actionreiche und vor allem schießwütige Abschnitte, dennoch ist hier reichlich mehr Abenteurer-Feeling vorhanden. Es ist natürlich absolut Geschmacksache, aber uns gefällt Lara in der direkten Fortsetzung des Serien-Reboots deutlich besser. Und das nicht nur, weil unsere Heldin eine wahrer Augenschmaus ist. Natürlich rein objektiv gesehen! 😉 Das Spiel besinnt sich mehr auf die Wurzeln der erfolgreichen Tomb Raider-Spielreihe. Während es in Tomb Raider (2013) nur ein paar Gräber zum Entdecken gab, die übrigens nicht sehr anspruchsvoll und weitläufig waren, gibt es im neuesten Ableger gleich acht Stück. Aber dazu später mehr.

Lara macht sich nun ein Jahr nach den verstörenden Ereignissen aus Teil 1 auf die Suche nach der so genannten Göttlichen Quelle. Diese ist ein sagenumwobenes Artefakt, welches ihrem Besitzer Unsterblichkeit schenken soll. Zu Beginn geht es für die 22-Jährige nach Syrien, wo sie nach dem Grab des Propheten sucht. Der Prophet soll nämlich der Besitzer dieses Artefakts sein. Dieses Level ist ein klassischer Tutorial-Abschnitt, in dem sich der Spieler mit den Mechaniken des Titels vertraut macht. Kenner des ersten Teils haben aber sowieso keinerlei Schwierigkeiten, da sich abseits von Kleinigkeiten (wie etwa die Tastenverlegung der so genannten Überlebenssicht) ohnehin nichts geändert hat. Wie soll es auch anders sein finden wir dort nur einen leeren Sarkophag und machen die erste Erfahrung mit Trinity, einer Geheimorganisation, die ebenfalls auf der Suche nach der Göttlichen Quelle ist. Auf den Spuren ihres Vaters macht sich Lara schließlich auf den Weg in das kalte Sibirien, wo das Artefakt versteckt sein soll. Um überhaupt erstmal in die Nähe der Quelle zu kommen, müssen wir als Lara einen Berggipfel besteigen. Mit dabei ist übrigens unser alter Freund Jonah, den wir bereits aus dem Vorgänger kennen. Leider geht alles ordentlich schief und Lara stürzt ab und wird dabei fast von einer Lawine begraben. So sind wir erstmal wieder auf uns allein gestellt und müssen uns erst in der neuen Umgebung zurecht finden. Der erste freie Gebiet mit dem treffenden Namen Sibirische Wildnis lädt aber nicht unbedingt zum Verweilen ein, da wir komplett durchgefroren sind. Wir finden glücklicherweise eine alte Lagerfeuerstelle, bei der wir unser erstes Basislager errichten können. Unsere Missionsziele sind zwar klar definiert, dennoch können wir uns erstmals frei in der Umgebung umsehen und wichtige Rohstoffe (wie Holz und Federn, welche wir ständig brauchen) aufsammeln. Wir machen gleich wieder Bekanntschaft mit den ersten feindlichen Söldnern, denn leider ist Trinity dem Artefakt schon längst auf der Spur. Als Archäologin möchten wir natürlich um jeden Preis die sagenumwobene Göttliche Quelle zuerst finden, da Trinity mithilfe dieser Macht ohnehin nur die Weltherrschaft im Sinn hat. Natürlich möchte Lara auch die Arbeit ihres geliebten Vaters fortsetzen. Wir besuchen im späteren Verlauf der Geschichte diverse Gebiete, die allesamt wunderschön designt sind. Des Weiteren erfahren wir in Rise of the Tomb Raider sehr viel über die Vergangenheit von Lara, ihrem Vater und auch die Wahrheit über den Tod von Lord Croft.

Rise of the Tomb Raider - ScreenshotDie Geschichte rund um die Göttliche Quelle ist leider nicht besonders fesselnd und das Ende ist sehr vorhersehbar. Dennoch bemühen sich die Designer von Crystal Dynamics die Story gut zu erzählen und bauen ein paar Story-Twists ein, die aber doch allesamt flach wirken. Ein großer Pluspunkt sind die guten Videosequenzen, die vor allem mit hervorragender Grafik und sehr guter Soundausgabe punkten. Vor allem sind es die Synchronsprecher die zur guten Atmosphäre beitragen. Ja, auch wenn die Geschichte etwas platt wirkt, ist die Atmosphäre das ganze Spiel über wirklich grandios!

 

 

Viele Stunden Spielspaß

 

Rise of the Tomb Raider ist gigantisch. Wahrhaftig! Während es im Tomb Raider (2013) auch schon viele Dinge zum Sammeln gab, legt Teil 2 nochmal eine Schippe drauf. Während die Story für geübte Spieler nach etwa 10 Stunden geschafft ist, können Perfektionisten, die das Spiel auf die 100 Prozent komplettieren möchten, noch einmal 20 bis 30 Stunden in den extrem abwechslungsreichen Gefilden Sibiriens herumstreifen. Die Gebiete laden ungemein zum Entdecken ein: Für Lara geht es durch schöne Schneelandschaften, imposante Eishöhlen, verlassene Minen, zweckentfremdete Sowjetanlagen und sogar grüne Täler – und dazu gibt es überall viel zu sehen und zu finden. Neben den schönen Landschaften noch zig Dokumente, Relikte, Überlebens- und Münzverstecke und zusätzlich noch acht Herausforderungsgräber, die zum entspannten Rätseln einladen, ein paar Nebenmissionen und zahlreiche Herausforderungen. Langweilig wird es einem in Rise of the Tomb Raider also kaum.

Rise of the Tomb Raider - ScreenshotDie Gräber, die es nahezu in jedem Spielabschnitt gibt, laden ungemein zum Erkunden und Entdecken ein. Hier wird niemals gekämpft und wir dürfen uns ausschließlich auf das Lösen der (Physik-)Rätsel konzentrieren. Diese reichen vom Überfluten alter Katakomben bis hin zum Freisprengen von im Weg stehende Hindernissen mithilfe von Schwefeldämpfen. Die Rätseleinlagen sind für Knobel-Profis zwar nicht besonders fordernd, dennoch sind sie sehr abwechslungsreich und es ist sichtbar wieviel Zeit die Entwickler in die Herausforderungsgräber gesteckt haben. Oft ist nämlich schon der Weg vom Eingang in das Grab bis hin zum eigentlichen Rätsel und dem versteckten Schatz schon so lang und weitläufig, dass wir uns fragen, ob wir hier eigentlich richtig sind. Mit den stark verbesserten Gräbern kämpfen sich die Macher des Spiels den Weg zu den wahren Tomb Raider-Fans frei. Das Erkunden und Lösen von Rätseln war seit jeher eigentlich Hauptbestandteil der erfolgreichen Spielereihe.

Aber auch nach dem Ende der Story und der Komplettierung des Spiels auf 100 Prozent wird es in Rise of the Tomb Raider keineswegs langweilig. Eifrige Spieler der Kampagne werden schon erkannt haben, dass für bestimmte Aktionen (wie etwa das Lösen eines Grabes oder das Abschließen einer Mission) Credits erzielt oder Geschenke freigeschaltet werden. Beides sind für den Kampagnen-Modus aber überhaupt nicht brauchbar.

Hier kommt das zweite große Standbein von Rise of the Tomb Raider ins Spiel: die Expeditionen. In der Release-Version des Spiels sind vier verschiedene Spielmodi verfügbar: Punktangriff, Kapitelwiederholung, Kapitelwiederholung Elite & Widerstand der Verbliebenen. Im ersten Modus dreht sich alles darum, möglichst viele Punkte zu erzielen. Credits verdient der Spieler hier mit diversen Aktionen: Wie zum Beispiel das Spiel so schnell wie möglich abzuschließen, gewährt einem einen höheren Zeitbonus. Weitere Credits-Quellen sind unter anderem das Ausschalten von Feinden, das Erzielen von Kombos, das Abschließen von Herausforderungen und das Sammeln von bestimmten Objekten. Die nächsten beiden Spielmodi Kapitelwiederholung und Kapitelwiederholung Elite sind nahezu ident: Wir wiederholen eines der Story-Kapitel, die wir zuvor gespielt haben, und verdienen so Credits. Der einzigen Unterschied des Elite-Modus: Wir starten zwar mit stark verbesserter Ausrüstung und fortgeschrittenen Fähigkeiten, müssen aber dafür mit deutlich stärkeren Gegnern rechnen. Vor allem für Profi-Gamer ist Letzteres sehr empfehlenswert. Der vielleicht interessanteste Spielmodus der Expeditionen trägt den Namen Widerstand der Verbliebenen. Wir schlüpfen wieder einmal in die Rolle der hilfsbereiten Lara und helfen den Talbewohnern bei ihrer Rebellion gegen die Trinity-Schergen. Dabei können wir entweder individuelle Missionen von anderen Rise of the Tomb Raider-Spielern zocken oder sogar selbst kreativ werden und unsere eigene Mission Impossible kreieren. Dabei gilt eines: Je schwieriger, desto mehr Credits erhalten wir. Um den Spielmodus abwechslungsreich zu gestalten haben sich die Entwickler eine Vielzahl an Herausforderungen ausgedacht: Wir müssen etwa Geiseln retten, geheime Trinity-Unterlagen stehlen, gestohlene Munition zurückholen, Relikte bergen oder sogar gegen Wölfe, Luchse oder Bären antreten. Je nach Schwierigkeitsgrad zerrt dieser Modus aber ganz schön an den Nerven. Das wissen wir aus eigener Erfahrung. Vor allem Adrenalin-Junkies und Hitman-Freunde werden hier eine wahre Freude haben. 😀

Rise of the Tomb Raider - ScreenshotEin fixer Bestandteil der Expeditionen sind die Sammelkarten, die wir entweder für bestimmte Ereignisse in der Kampagne oder den Kauf von DLCs erhalten. Alternativ können wir diese Karten auch mit verdienten Credits oder sogar Echtgeld kaufen. Diese Mikrotransaktionen fallen aber im normalen Spielbetrieb kaum auf und werden unserer Meinung nach auch nicht wirklich benötigt. Stellen wir es nämlich während der Kampagne klug an, erhalten wir genügend dieser (kostenlosen) Ingame-Währung. Wir hatten nach dem vollständigen Durchspielen (100%) über 300.000 Credits angesammelt und diese bis heute noch nicht komplett für Karten ausgegeben. Diese Sammelkarten sind für die Laras Expeditionen essenziell, denn wir können uns so Vorteile verschaffen und unsere Feinde schwächen oder genau umgekehrt. Diese Karten gliedern sich in sieben Arten: Aussehen, Waffen, Outfits, Feindstärkung, Feindschwächung, Spielerstärkung und Spielerschwächung. In der Rubrik Aussehen können wir unter anderem unseren Feinden riesige Köpfe bescheren. Oder die gute Lara zieht eine Regenbogen-Spur hinter ihr nach. Witzige Sachen, die sich aber nicht auf die Balance auswirken, da sie nur von optischer Natur sind. In keinem anderen Tomb Raider-Titel gibt es so viele verschiedene Outfits wie in diesem Abenteuer, daher ist es kein Wunder, dass wir auch bei den Expeditionen alle in unserem Besitz befindlichen Kleidungsstücke einsetzen dürfen. Lara mit klassischem Tanktop in der sibirischen Wildnis? Kein Problem, auch wenn es der armen Lara so schnell kalt werden dürfte… Als Spielerstärkung zählt zum Beispiel eine schnellere Genesung und als Schwächung der Mangel an Medipacks. Die ungeheuerliche Anzahl an unterschiedlichen Sammelkarten bringen einen ungemeinen Schwung in diesen Spielmodus und bieten so eine große Abwechslung. Aber Achtung: Viele Sammelkarten sind nur einmal einsetzbar und verschwinden daher nach ihrer Verwendung. Nur jene, die einen goldenen Rand besitzen, können beliebig oft eingesetzt werden.

Zusätzlich zu den Inhalten der Verkaufsversion liefert der Entwickler Crystal Dynamics auch weitere Inhalte via kostenpflichtigen DLCs nach. So ist ein regelmäßiger Nachschub von neuen Waffen und Outfits für Lara vier Monate nach Release lang garantiert. Außerdem gibt es drei große Erweiterungen: Im Ausdauermodus geht es für unsere Heldin in die gnadenlose Wildnis Sibiriens. Auf der Jagd nach Relikten und Kryptaschätzen streifen wir durch den Schnee, müssen aber auch jederzeit bereit für Feinde sein. Entweder in Form der Trinity-Söldnern oder wilden Tieren. Um unseren Überlebensinstinkt zu fordern, können wir in diesem Spielmodus verhungern oder sogar erfrieren. Zwei entsprechende Icons zeigen uns an, wie es um Frau Croft steht. Daher müssen wir neben der Jagd auf Schätze, auch Tiere erlegen und Holz für das Lagerfeuer finden. Spätestens aber wenn die Dämmerung einbricht und es richtig kalt wird, ist ein geschützter Platz notwendig. Nachts sinken Laras Gesundheitsparameter nämlich deutlich schneller als untertags. Der Ausdauermodus ist eine klare Empfehlung für Fans von Permadeath-Spielen, denn es ist unglaublich fesselnd Lara möglichst lange am Leben zu erhalten.

Rise of the Tomb Raider - ScreenshotAber auch für die Story-Enthusiasten unter uns gibt es Nachschub: In der Erweiterung Baba Jaga: Der Tempel der Hexe dürfen wir auf den Spuren der slawischen Märchenfigur Baba Jaga wandeln. Von Seiten des Entwicklers werden zwar drei Stunden Spielzeit angegeben, in unserem Praxistest sind wir allerdings auf deutlich weniger (etwa zwei Stunden) gekommen. Die Geschichte rund um Nadia und ihren verschollenen Großvater integriert sich zwar sehr gut in die Spielumgebung des Hauptspiels, wirkt aber dennoch ein wenig aufgesetzt. Erst die mehr als 20 Dokumente, die in der neuen Spielwelt versteckt sind, erklären uns die Hintergründe der neuen Quest. Deshalb ist es vor allem in diesem DLC sinnvoll möglichst alle Dokumente zu finden, damit wir die ganze Geschichte erfahren und sie somit auch verstehen können. Ansonsten ist die Geschichte gut inszeniert, aber auch sehr schnell durchschaubar. Spieler des DLCs wissen wohl, was wir damit meinen. Apropos neue Spielwelt: In der Baba Jaga-Erweiterung geht es für Lara in das Gottlose Tal, das sich östlich von der Sowjet-Anlage befindet. Betreten tun wir es übrigens über den Eingang eines Herausforderungsgrabs. Das Tal ist selbst nicht sehr groß und ist ein reines Schlauchlevel. Abgesehen von der Story, einer Herausforderungen, einem Relikt, Dokumenten und ein paar Überlebensverstecken gibt es hier kaum etwas zu finden. Abschließend ist das DLC eine gute Erweiterung für Tomb Raider-Fans, die schon sehnlichst neue Inhalte warten.

Die dritte große Erweiterung für Rise of the Tomb Raider wird den Namen Kalte Finsternis erwacht tragen und wird einen Modus für rundenbasiertes Überleben beinhalten. Hier wird aber im Gegensatz zum Ausdauermodus der Fokus auf den Kampf gegen Tiere gelegt. Um zu überleben muss Lara in diesem DLC Wellen von infizierten Raubtieren bekämpfen. Ein genauer Erscheinungstermin steht bis dato aber noch aus. (Stand: 07.02.2016)

Sobald alle drei DLC verfügbar sind, werden wir in einem eigenen Artikel die Erweiterungen gesondert bewerten und an dieser Stelle verlinken.

Die drei zusätzlichen Inhalte sind im Season Pass um rund 30 Euro enthalten oder können separat für je 9,99 Euro erstanden werden. Darüber hinaus sind im Season Pass auch Spezial-Outfits für unsere Lieblingsheldin enthalten.

 

 

 

Erstklassige Grafik & grandioser Sound

 

Wow, so ein schönes Tomb Raider haben wir noch nie gesehen. Genau das war unsere erste Reaktion als wir das erste Mal Rise of the Tomb Raider auf der Xbox One gespielt haben. Knackige Texturen, wunderschön designte Umgebung mit vielen Details und eine so realistische Lara haben wir bislang noch nicht erblicken dürfen. Unsere Spielcharakterin hat im Vergleich zum direkten Vorgängerspiel einen deutlichen Wandel gemacht. Sie sieht nicht nur natürlicher aus, sondern auch ihre Emotionen wurden erheblich verbessert. Und wir haben uns in ihr Haar verliebt – ja genau in ihr Haar. Nach einem (unfreiwilligen) Ausflug in das Wasser glänzen sie wunderschön im Schein der Fackel und auch die Animation setzt neue Maßstäbe. Der Unterschied ist so groß, dass Laras Haare im Vorgängerspiel aussehen wie ein Strohsack. Und das ist kein Scherz.

Allerdings hat uns manchmal die Steuerung wahnsinnig gemacht: Aufgrund der etwas hakeligen Steuerung sind wir nicht nur einmal an einer Kletterwand oder Greifkante vorbei gesprungen. Dank dem mehr als fairen Speicherpunkt-System war es aber meist leicht verschmerzbar. Hier könnten die Entwickler dennoch mit einem zusätzlichen Patch nachbessern. Das Jammern ist hier aber bereits auf einem sehr hohen Niveau, denn meistens funktioniert das Steuern von Lara anstandslos.

Soundtechnisch ist den Entwicklern von Crystal Dynamics wieder ein wahres Meisterwerk gelungen. Die Musikuntermalung ist traumhaft, Waffengeräusche klingen äußerst realitätsnah und auch die Umgebungsgeräusche sind grandios umgesetzt. Im neuesten Abenteuer von Lara gibt es übrigens eine absolute Neuerung: Während in Tomb Raider (2013) noch die Schauspielerin Nora Tschirner die Hauptprotagonistin gesprochen hat, verleiht in Rise of the Tomb Raider die deutsche Synchronsprecherin Maria Koschny Lara ihre Stimme. Sie ist übrigens die deutsche Stimme der US-amerikanischen Schauspielerin Jennifer Lawrence (u.a. bekannt aus der Filmreihe Die Tribute von Panem und dem oscar-prämierten Film Silver Linings, Anmerkung der Redaktion). Maria Koschny liefert als die neue Stimme von Lara Croft eine sehr gute Arbeit ab und überzeugt mit ihrer Darbietung.

Rise of the Tomb Raider läuft zudem sehr stabil, sowohl auf der Xbox One, Xbox 360 und auf dem PC. Vor allem am Rechenknecht hat das einen gewissen Seltenheitswert. In den vergangenen Jahre sind viele große Publisher oft ins Fettnäpfchen getreten, in dem sie unfertige und vor allem verbuggte PC-Versionen veröffentlicht haben. Crystal Dynamics und Square Enix leisten hier eine sehr gute Arbeit. Rise of the Tomb Raider - ScreenshotNicht nur dass Rise of the Tomb Raider am PC noch etwas hübscher aussieht als auf der Xbox One (natürlich genügend Leistung vorausgesetzt), überzeugt diese Version auch mit sehr guter Stabilität. Wenn es nur bei allen Konsolenumsetzungen so wäre. Somit ein großes Lob an die Jungs und Mädels hinter der PC-Version!

Auf der Xbox One haben wir das Spiel mittlerweile auf 100 Prozent abgeschlossen und somit viele Stunden mit Lara in Sibirien verbracht. Abgesehen von zwei Abstürzen und einem einmaligen Einsturz der Frames konnten wir auch auf der Xbox keinen Mangel in Sachen Technik und Umsetzung finden.

 

 

Ein nahezu perfektes Spiel

 

Rise of the Tomb Raider setzt auf die Stärken des Reboots aus dem Jahr 2013 und verzichtet auf dessen Schwächen. Besser geht es fast nicht mehr! Auch wenn es im neuesten Abenteuer mit Lara weiterhin reine Ballet-Abschnitte gibt, wird deutlich mehr Wert auf Spring- und Rätseleinlagen gelegt. Während wir im Vorgänger bei Kampfabschnitten oft an ein Nicht schon wieder dachten, bringt Crystal Dynamics hier eine viel bessere Dynamik und Glaubwürdigkeit in die Kämpfe hinein. Die KI-Gegner suchen dynamisch die beste Deckung und versuchen einzukesseln. Das reine Bekämpfen der Feinde aus unserer Deckung heraus, können wir hier getrost vergessen. Sofern das Spiel nicht am niedrigsten Schwierigkeitsgrad gespielt wird, können unsere Begegnungen mit Trinity & Co. schon mal echt fordernd werden.

Rise of the Tomb Raider - ScreenshotDie grandiose Inszenierung und sehr gute Spieldesign macht die etwas maue Hintergrundgeschichte allemal wett. Für die Abenteurer unter uns liegt der Fokus hier sowieso viel mehr auf dem Entdecken. So auch bei uns! Die Technik des Spiels ist ebenfalls ausgezeichnet: Wir haben selten ein Spiel mit so gutem Aussehen und tollen Sound getroffen. Vor allem die deutsche Synchronisation legt noch einmal eine Schippe drauf. Das geht sogar so weit, dass wir liebe die lokalisierte Version spielen als das Original. Aber nicht falsch verstehen: Auch die englischen Sprecher leisten eine sehr gute Arbeit ab, dennoch gefällt uns die deutschsprachige Ausgabe besser.

Crystal Dynamics macht mit Rise of the Tomb Raider nahezu alles richtg. Von den kleineren negativen Aspekten können wir so deshalb getrost absehen. Fans der Tomb Raider-Reihe werden mit Lara viel Spaß haben und auch für jeden Liebhaber von Abenteurern kann das Spiel fast ohne Vorbehalte empfohlen werden.

 

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten

 

 

Was ist gut? Was ist zu verbessern?

 

insidegames-rating-pro

+ sehr gute Inszenierung
+ überzeugende Charaktere
+ erstklassige Grafik
+ sehr guter Sound & deutsche Synchronisation der Charaktere
+ sehr stabiles Spiel & vorbildhafte PC-Portierung
+ große und sehr lebendige Spielwelt
+ viele Aktivitäten, Herausforderungen und sammelbare Objekte
+ mit viel Liebe am Detail designte Herausforderungsgräber
+ viele verschiedene Waffentypen
+ Crafting-System
+ über 50 freischaltbare Fähigkeiten
+ gut ausbalancierte Schwierigkeitsgrade
+ anhaltende Motivation und großes Suchtpotenzial
+ lange Spielzeit (ca. 50-60 Stunden)
+ Expeditions-Spielmodus
+ vergleichsweise viel Inhalt für den Season Pass (ca. 30 Euro zusätzlich)
+ Ingame-Mikrotransaktionen wirken sich kaum auf die Spielmechanik aus

 

insidegames-rating-contra

– etwas maue und vorhersehbar Geschichte
– Steuerung teilweise etwas hakelig
– kein Multiplayer-Modus mehr

 

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