Für Motorrad-Fans bedeuten die Wintermonaten meist Ruhezeit. Doch während das geliebte Motorrad seinen Winterschlaf in der kuscheligen Garage verbringt, geht es virtuell dank Milestone’s Rennspiel Ride auch in der kalten Jahreszeit heiß her. (Natürlich wissen wir, dass es auch so manchen Hardcore-Biker gibt, der es auch im Winter bei Eis und Schnee krachen lässt ;)) Nach dem Letzten von uns getesteten Motorrad-Rennspiel Motorcycle Club, hatten wir ja schon fast die Hoffnung aufgegeben – doch erfüllt Ride die Wünsche tausender wartender Fans? Im nachfolgenden Testbericht zeigen wir euch das neueste Rennspiel vom Entwickler Milestone Studios und erklären euch die Vor- und Nachteile.

 

 

 

Keine Story, aber dennoch fesselnd

 

RIDE - ScreenshotWie bei (fast) allen Rennspielen üblich, gibt es auch in Ride keine wirkliche Story. Das Einzige was wir wissen: Wir sind ein Amateur-Rennfahrer, der sich über diverse Meisterschaften zur Welt-Elite hinaufkämpfen möchte. Also Klischee hoch zehn, allerdings muss dies nicht unbedingt ein negativer Aspekt in einem Spiel sein, sofern es den Spieler dennoch fesselt. Und das schafft Ride ganz gut. Schon zu Beginn dürfen wir uns einen eigenen Charakter basteln: Neben dem Geschlecht, der Hautfarbe, Frisur und Haarfarbe, dürfen wir auch unseren eigenen Namen und die Nationalität ganz frei bestimmen.

Spätestens dann und nach der Auswahl von einem von drei Bikes geht es das allerste Mal auf die Straße. In der Welttournee dürfen wir uns in einer Rangliste nach ganz oben arbeiten. Dabei müssen insgesamt 300 andere Fahrer besiegt werden. Mit dem – bei Rennen gewonnen – Preisgeld können wir immer mehr neue und stärkere Bikes in unterschiedlichsten Kategorien unser Eigen nennen. Dabei ist dennoch wichtig die technischen Spezifikationen zu beachten: Denn es spielt sehr wohl eine Rolle ob Ein- oder Mehrzylinder, da die Events neben Hubraum- und Leistungsklassen auch in Zylinderanzahl eingeteilt sind. Derzeit stehen etwa 150 Modelle zur Verfügung, davon auch zwei mit Elektroantrieb.

Für jedes Bike gibt es zusätzlich auch noch reichlich Tuning-Zubehör, wie zum Beispiel diverse Auspuffanlagen, Rennbremsen, verbesserte Federgabeln oder Sportluftfilter. Damit ihr euch die Tuning-Preise etwas vorstellen könnt: Wenn ihr ein Motorrad für etwa 10.000 Credits (das ist übrigens die Währung im Spiel) kauft, könnt ihr etwa noch einmal den selben Betrag für die zahlreichen Verbesserungen am Bike einrechnen. Während in vielen Rennspielen Tuning meist nur von optischer Natur ist, gibt es in Ride doch (oft) gravierende Änderungen: Im besten Fall gibt es nämlich eine Steigerung sämtlicher Parameter um ein Viertel und das kann im Rennen wirklich den entscheidenden Unterschied ausmachen! Dieser ist vor allem dann bemerkbar, wenn ein Rennen zuerst mit der Serienversion und selbiges später mit der getunten Variante nochmals bestreitet wird. Leider gibt es auch eine Schattenseite in diesem Punkt: Da KI-Gegner aus Prinzip nur mit Serienmaschinen fahren, werden die Rennen dann schon sehr einfach und unspektakulär. Unserer Meinung nach könnte sich die KI schon an die neuen Gegebenheiten anpassen. Immerhin funktioniert dies in anderen Rennspielen auch sehr gut.

 

RIDE - ScreenshotCredits, so heißt die Ingame-Währung, bekommt ihr für absolvierte Rennen. Diese könnt ihr anschließend sofort wieder für neue Motorräder, Zubehörteile (sprich Tuning) oder auch standesgemäßer Kleidung ausgeben. Zudem erhält der Spieler für erfolgreich abgeschlossene Events so genannte Ruhmespunkte (Erfahrungspunkte), welche unseren Biker an die Spitze der Ranglisten befördern. Für bestimmte Meilensteine schenkt einem das Spiel dann auch noch Titel für den eigenen Charakter: Fährt der Spieler zum Beispiel eine gewisse Distanz nur am Hinterrad erhält den Titel Wheelie Master oder Ähnliches. In Ride sind eine Vielzahl an unterschiedlicher Titel für diverse Herausforderungen bzw. Leistungen enthalten.

Streckenmäßig hätte es ruhig etwas abwechslungsreicher aussehen können. So gibt es derzeit nur etwa 15 Rennlocations mit zwei bis drei Varianten unterschiedlicher Streckenführung. Die Strecken wiederholen sich deshalb entsprechend oft. Allerdings hat dies auch etwas Gutes: Anfänger sind nicht so schnell mit der Streckenanzahl überfordert und auch eine schnellere Verbesserung der Rundenzeiten ist erkennbar. Neben klassischen Einzelrennen dürfen wir unser Können auch in anderen Spielmodi, wie Zeitrennen, in Zweikämpfen, Trackdays und auf dem Dragstrip, unter Beweis stellen.

 

 

Hoher Detailgrad bei Motorräder und grandioser Sound

 

BRIDE - Screenshotereits im Vorfeld hat uns der Entwickler Milestone Studios mit den ersten Bildern von Ride schon mächtig beeindruckt. Daher waren wir uns nicht sicher, ob sich das gezeigte Niveau auch im fertigen Spiel widerspiegelt. Leider ist es heutzutage gang und gäbe, dass Games in den ersten Trailern weitaus besser aussehen als Monate oder sogar Jahre später bei der finalen Veröffentlichung. Doch wir wurden nicht enttäuscht. Vor allem die Motorrad-Modelle machen ordentlich etwas her. Je nach Hersteller findet der Spieler hier die typischen Eigenheiten, denn alle Teile sehen auf den Original-Maschinen nämlich genauso aus. Aber auch die Strecken sehen ganz gut aus. Aber leider nur größtenteils.

Denn abseits der Strecken zeigt sich meist eine lieblose Gestaltung der Umgebung: Bäume, Berghänge und sogar Häuserfassaden sehen oft unfertig und sehr hässlich aus. Selbiges gilt auch für die Zuseher, die am Streckenrand verweilen. Das geübte Auge erkennt hier eine wahrhaftige Klon-Armee. Realistisches Publikum sind bei einem Rennspiel zwar nicht so wichtig, da man sowieso meist mit hoher Geschwindigkeit vorbei fährt, dennoch haben wir bei anderen Spielen schon weitaus hübschere Zuschauer gesehen.

Sobald die Biker ihre virtuellen Motoren anlassen, wird uns als Motorrad-Fans gleich ganz warm um’s Herz. Egal ob Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierzylinder, ob Honda oder Ducati: Kein Bike klingt gleich! Jedes einzelne Modell hat seinen ganz persönlichen Klang. Egal ob hämmernder 690er KTM Single, kreischender 600er Reihenvierer oder 1000er Zweizylinder – uns treten die Freudentränen aus den Augen, wenn wir den grandiosen Sound der Freiheit dröhnen hören.

RIDE - ScreenshotGanz anders die musikalische Untermalung – zu Beginn nicht schlecht, wird sie doch mit fortschreitender Spielzeit schnell langweilig und monoton. Wer also mehr als nur den puren Motoren-Sound braucht, sollte doch seine eigene Musik im Hintergrund laufen lassen.

 

 

 

 

Gähnende Leere im Multiplayer

 

Während ihr alleine gegen 15 KI-Fahrer antretet, könnt ihr im Mehrspieler-Teil des Spiels gegen zwölf andere Ride-Spieler eure Fahrkünste unter Beweis stellen. Der Multiplayer enthält die zwei unterschiedlichen Modi Einzelrennen und Meisterschaft. Allerdings ist der Meisterschafts-Spielmodus nicht gerade aufregend, da dieser nur aus ausgewählten Einzelherausforderungen besteht.

Das viel größere Problem, welches der Multiplayer von Ride besitzt, ist der akute Spielermangel. Während des gesamten Zeitraums unseres Langzeittests konnten wir am PC bis auf ein einziges Mal keinen menschlichen Mitspieler in den Weiten des Multiplayer-Servers finden. Erfährt einem das unheimliche Glück mal auf andere Ride-Spieler zu stoßen, kann der Mehrspieler-Modus durchaus als sehr unterhaltsam überzeugen. Ausgiebig testen konnten wir den Multiplayer von Ride, aufgrund des bereits erwähnten Spielermangels, leider nicht. Abhilfe schafft hier nur der LAN-Modus, welcher zusammen mit Freunden wirklich gut unterhalten kann.

 

 

Gutes Motorrad-Rennspiel mit einigen Macken

 

Alles in allem ist Ride kein schlechtes Spiel, allerdings gibt es dennoch erheblichen Verbesserungsbedarf. Und die Liste ist lang: Mehr Rennstrecken, besseres Schadensmodell der Bikes, unterschiedliche Tageszeiten und Einflüsse von Wetter, Zuschauer, die nicht aussehen wie aus einer Klon-Armee, mehr Multiplayer-Modi und kürzere Ladevorgänge. Vor allem die Ladezeiten sind wohl eines der größten Mankos des Spiels. Das geht sogar so weit, dass man genug Zeit hätte, um sich einen Kaffee zu holen oder ein paar Runden Donkey Kong am Game Boy zu spielen. Und das kann nicht im Sinne eines renommierten Spieleherstellers sein!

Ride hat aber auch einige Pluspunkte, welche viele Motorrad-Fans überzeugen werden: Der fast schon verboten hohe Detailgrad und der grandiose Sound der Maschinen wird viele Herzen höher schlagen lassen. Ehrlich müssen wir sagen, dass wir noch in keinem anderen Biker-Spiel so gut aussehende und detailgenaue Motorräder gesehen haben! 😉 Die riesengroße Abwechslung der Motorengeräusche müssen wir ebenfalls emporheben: Keines der mehr als 100 Bikes hört sich gleich an. Da können sich andere Rennspiel-Entwickler schon eine Scheibe abschneiden.

Mangels der Alternative von Motorrad-Spielen können wir jedoch viele der Macken leichter verzeihen. Insgesamt erhält man mit Ride doch ein überdurchschnittlich gutes Straßen-Rennspiel mit vielen Klassen und vielen lizensierten Motorrädern.

 

In der ersten Version des Spiels verabschiedete sich unser Spielstand nach etwa sieben bis zehn Stunden. Die Motorräder und das Preisgeld blieben zwar bestehen, aber dennoch mussten wir ein neues Spiel beginnen. Auch unsere Punkte in der Rangliste verschwanden in’s Nirwana.

Dieser Fehler wurde mittlerweile behoben, deshalb kommt es vorerst zu keiner Abwertung!

 

Unsere Wertung: 7 von 10 Punkten

 

 

Was ist gut? Was ist zu verbessern?

 

Positiv passable Grafik

Positiv viele lizensierte Bikes

Positiv hoher Detailgrad der Motorräder

Positiv realistische Motorensounds

Positiv relativ umfangreiches Tuning

Positiv originalgetreue Rennstrecken

Positiv zahlreiche Bike-Einstellungen

Positiv mehrere Schwierigkeitsgrade

Positiv verfügbare Fahrhilfen

Positiv realistische KI

Positiv enthaltener LAN-Spielmodus

 

 

Negativ matschige Texturen

Negativ zu wenige Strecken

Negativ langweilige & monotone Hintergrundmusik

Negativ Tuning vereinfacht Rennen zu sehr

Negativ kein Schadensmodelle

Negativ schlecht animierte Zuschauer

Negativ keinerlei Wettereinflüsse

Negativ wenige Multiplayer-Modi & akuter Spielermangel

Negativ ständige & lange Ladevorgänge

Negativ (seltene, aber doch auftretende) Spielabstürze

 

Mitarbeit: Der Autor Phil hat bei der Erstellung von diesem Artikel mitgearbeitet – herzlichen Dank dafür! 🙂

 

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