Im kommenden Jahr soll ja endlich Teil zwei des Parkour-Actionspiels Mirror’s Edge erscheinen – für uns ein guter Grund das erste Spiel wieder einmal zu zocken und es euch in diesem Testbericht näher vorzustellen.

 

 

Schöne neue Welt

 

Mirror's Edge - Screenshot

Informationen werden in diesen schicken Koffern transportiert.

Eine fiktive Stadt in nicht allzu ferner Zukunft: Die Menschen leben in einem – von der korrupten Regierung unterjochten – Überwachungsstaat. Der einzige Weg geheime Informationen zu verbreiten sind die sogenannten Runner. Diese geheime Organisation von Traceuren (Parkourläufer) überbringt die Infos in wirklich gut aussehenden Koffern. Um der Polizei und der totalen Überwachung weitgehend zu entkommen, geschieht die Fortbewegung größtenteils über den Dächern der Stadt.

 

Die Hauptprotagonistin Faith, eine junge Runnerin, nimmt ihren Job nach einem schweren Sturz wieder auf und gerät dabei viel zu schnell in eine Verschwörung rund um den Mord an einem Bürgermeisterkandidaten. Da dieser dann auch noch Faith‘ Schwester Kate, welche übrigens Polizistin ist, angehängt wird, muss die Wahrheit unbedingt aufgedeckt werden. Dabei kommen allerdings noch viel größere Intrigen der Regierung zum Vorschein.

 

Mirror's Edge - Screenshot

Die Zwischensequenzen sind in einem passenden Comic-Look gehalten.

Doch damit genug zur Geschichte! Wir bewegen uns also die meiste Zeit des Spiels über die Dächer der Stadt. Diese Situation erspart den Entwicklern recht viel Arbeit, da die Straßen, in denen sich das gemeine Volk tummelt, schlichtweg nicht betretbar sind. Beim genaueren Blick hinab in die Schluchten der Großstadt, fällt allerdings schnell auf, dass es sich um eine wahre Geisterstadt handeln muss. Außer in den wenigen geskripteten Momenten, die uns das Spiel vor die Füße wirft, tauchen keine Passanten oder fahrenden Auto auf. Die einzigen menschlichen Wesen, welche uns auf unserem Weg durch das Spiel begegnen, sind entweder Polizisten und Soldaten oder einige wenige Verbündete, die nach einigen Minuten wieder verschwinden. Den engsten Kontakt pflegt Faith zu ihrem Mentor Mercury, der in einem umgebauten Klimaanlagen-Kühlturm haust und sie mit Informationen versorgt. Er hackt sich auch des Öfteren in Überwachungskameras oder dem Polizeifunk ein, um die Heldin durch brenzlige Situationen zu geleiten.

 

 

Spektakuläre Inszenierung

 

Mirror's Edge - Screenshot

Diesmal hat es endlich  geklappt und der Cop bekommt unseren Unterschenkel zu spüren.

Das Spielprinzip eines auf der Sportart Parkour basierenden First-Person Actionspiels war zu damaligen Zeiten eine absolute Neuheit. Die Ego-Perspektive vermittelt ein sehr direktes Spielgefühl –  für manche Menschen vielleicht schon fast zuviel. So halten wir immer wieder den Atem an, wenn wir haarsträubende Sprünge über tiefe Häuserschluchten hinlegen oder von einer fahrenden U-Bahn auf die Nächste springen müssen, ohne gegen die Tunnelpfeiler zu prallen. Da wir die meiste Zeit als Staatsfeind Nr.1 unterwegs sind, treffen wir dementsprechend auf einige Cops. In solchen Fällen dürfen wir unsere Vorgangsweise stets selbst entscheiden: Frontalangriff mit Waffengewalt, Nahkampf oder doch lieber fliehen?

Die ersten beiden Möglichkeiten funktionieren eigentlich immer recht gut, aber im Höchsten der drei verfügbaren Schwierigkeitsgrade ist die Flucht sehr empfehlenswert, da wir sonst in der Offensive viel zu schnell den virtuellen Löffel abgeben. Zudem funktioniert die Ballerei sowieso nicht besonders gut, da wir keinerlei zusätzliche Munition besitzen oder die Waffe zum Laufen schlichtweg zu schwer ist. Der Nahkampf funktioniert ganz simpel. Durch Faustschläge oder Tritte werden Gegner zurück-, oder (noch besser) gleich von einer Häuserkante gestoßen. Der schnellere und auch schwierigere Weg ist das Entwaffnen des Feindes, welches perfektes Timing erfordert. Startet das Gegenüber eine Nahkampfattacke verfärbt sich die Waffe für einen kurzen Moment rot. Spätestens dann müssen wir durch einen Mausklick die Entwaffnung durchführen. Gelingt das nicht bekommen wir volles Pfund aufs Maul und fallen nach weiteren Treffern um.

Zur Erleichterung gibt es auch einen Zeitlupen-Modus, der für eine kurze Zeitspanne ebendiese verlängert. Das funktioniert aber auch nur dann, wenn wir diesen zuvor durch einen so genannten Flow aufgeladen haben.

 

Mirror's Edge - Screenshot

Waghalsige Aktionen wie diese stehen an Faith’s Tagesordnung.

Der Fokus liegt ganz klar auf der möglichst flüssigen Bewegung, welche durch richtiges Timing mit den Sprüngen in einem sogenannten Flow ausufert. Ein Zustand völliger Perfektion und Geschwindigkeit, den wir nicht nur durch verwischte Bildränder sehen, sondern auch durch Windgeräusche an den Ohren der Heldin hören dürfen.

Passiert uns einen Fehler geht dieser Zustand verloren oder im schlimmsten Fall stürzen wir von einem Dach in den Tod. Immer wieder wird der Flow aber auch vom Spiel selbst unterbrochen, wenn beispielsweise eine höhere Wand im Weg steht. Damit auch Anfänger einen einigermaßen guten Flow erreichen können, werden in den ersten beiden Schwierigkeitsgraden verwendbare Hilfsobjekte, wie zum Beispiel Kisten, Rohre oder Leitern, rot markiert. Das erleichtert die Wegfindung enorm. Abgesehen von den leeren Straßen ist das Leveldesign wirklich gut gelungen. Die überwiegend in sterilem weiß gehaltene Stadt glänzt an allen Ecken und Enden. Aus Schornsteinen steigen Dampfwolken auf, Vögel und Verkehrsflugzeuge queren den Himmel. Die Innenräume sind recht schlicht und meist in einem einzigen Farbton gehalten.

Physik in einem Parkour-Titel ist enorm wichtig. Mirror’s Edge macht dabei keine halben Sachen. Schwerkraft- und Trägheitsgesetz funktionieren einwandfrei.

Ja, da müssen wir runter! Am Ende dieser Rutschpartie wartet einer dieser Trial-&-Error Momente.

Ja, da müssen wir runter! Am Ende dieser Rutschpartie wartet einer dieser Trial-&-Error Momente.

Springen wir mit Faith aus großen Höhen müssen wir uns abrollen, um die kinetische Energie bestmöglich abzufangen und in eine Vorwärtsbewegung umzuwandeln. Ansonsten bricht sich Faith zwar nicht den Knöchel, aber verliert doch etwas Lebensenergie oder bei tieferen Stürzen kostet es das Leben der Runnerin. In einer echten Simulation würden Winde oder Thermik dann vielleicht auch noch eine Rolle spielen, aber das wäre dann doch etwas zuviel des Guten. Ist der Untergrund oder sind umliegende Mauern mit Wasser bedeckt, wirkt sich das aber sehr wohl auf unsere Bewegungsfähigkeit aus. Wallruns werden kürzer und Schritte sollten daher mit Bedacht eingesetzt werden.

 

 

Schöne, aber sterile Umgebung

 

Mirror's Edge - Screenshot

Der knallrote Kranmast zeigt uns den Weg. Jetzt müssen wir ihn nur noch treffen.

Grafisch macht Mirror’s Edge auch im Jahr 2015 ganz schön was her. Die Glasfassaden der Wolkenkratzer reflektieren und die verschiedenen Objekte in der Spielwelt werfen realistische Schatten. Das hebt das Spielgefühl enorm.

Nervig sind allerdings die offensichtlichen Fehler bei den Schatten der Figuren. Auffällig wird’s nämlich dann, wenn wir mit dem Rücken einem Baustellen-Strahler zugewandt stehen und keinen korrekten Schattenwurf beobachten können. Das hätte man mit einem Patch nachbessern können und müssen.

Einige Objekte weisen beim näheren Betrachten auch einen ziemlichen Texturmatsch auf. Zudem sorgt die erweiterte Physikdarstellung, welche den Besitzern von Nvidia Grafikkarten vorbehalten ist, bei anderen Herstellern für Probleme. Denn gerade in den Momenten, in denen wir ums nackte Überleben rennen sollten, bricht oftmals die Framerate ein. Wer dieses Problem hat, sollte in den Optionen die Verwendung von PhysX deaktivieren. Dann läufts auch wieder für die meisten Grafikkarten einwandfrei.
Übrigens gibt es seit Längerem eine Unterstützung für Virtual Reality-Brille Occulus Rift. Diese ist allerdings nur hartgesottenen Spielern zu empfehlen, da einem höchstwarscheinlich mehr als nur schwindelig wird.

 

 

Neuartiges Spielerlebnis für Zwischendurch

 

Drahtseile bieten oftmals eine willkommene Alternativroute.

Drahtseile bieten oftmals eine willkommene Alternativroute.

Ist Mirror’s Edge also ein gutes Spiel oder doch nur ein Experiment? Wir sagen: Es ist irgendetwas dazwischen! Der Versuch eines neuen Konzeptes in einer nicht besonders tiefen Story, dafür aber mit umso tieferen Häuserschluchten.

Wer also etwas mit der Sportart Parkour anfangen kann und gerne waghalsig von Dach zu Dach springt, macht mit dem Serien-Erstling bestimmt nichts falsch.
Mirror’s Edge: Catalyst soll im Februar 2016 für den PC, die PlayStation 4 und die Xbox One erscheinen und zwar mit Open-World und mehr Nahkampf-Einlagen.

 

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten

 

 

 

Was ist gut? Was ist zu verbessern?

 

Positiv  neues Konzept (zum Release im Jahr 2009)

Positiv  tolle Grafik

Positiv  visuelles und auditives Wahrnehmen von Geschwindigkeit

Positiv  Fokus

Positiv  gelungenes Kampfsystem

Positiv  gute Physik-Darstellung

Positiv  stimmiger Soundtrack

Positiv  drei Schwierigkeitsgrade

Positiv  einige alternative Routen

Positiv  fair gesetzte Checkpoints

 

 

Negativ  flache Charaktere

Negativ  fehlerhafte Schatten

Negativ  matschige Texturen

Negativ  linerare Level

Negativ  kurze Spielzeit (ca. 6h)

Negativ  tote Umgebung

Negativ  viel Trial- & Error

 

Mitarbeit in diesem Artikel: Phil – Vielen Dank!

 

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